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Ein Familienbetrieb im Wandel der Zeit

Denkt man bei dem Wort Holzkohle nicht sofort an laue Sommerabende und saftige Grillsteaks? Aber wer zerbricht sich schon den Kopf darüber, woher die Holzkohle kommt? Ein Familienbetrieb im sächsischen Ottendorf-Okrilla kann darüber genauestens Auskunft geben: Die Firma Max Menzel. Gegründet hat das Unternehmen 1874 Ernst Menzel. Zurückgekehrt aus dem deutsch-französischen Krieg erwarb er an dem jetzigen Standort eine Parzelle Wald.

Damals gab es den Ort Ottendorf-Okrilla noch nicht. Fünf kleinere Ortschaften wurden erst in den zwanziger Jahren zusammengefasst. Die Holzköhlerei hat in dieser Gegend eine etwa 500jährige Tradition. Das ist für diesen Standort ungewöhnlich, denn das Köhlern war vorwiegend in Thüringen verbreitet. Ernst Menzel gründete eine Bauernwirtschaft und betrieb als Zuerwerb die Köhlerei. Im Frühjahr und Sommer wurde in den Feldern geschuftet, im Herbst und Winter auf dem Hof geköhlert. Nach Ernst übernahm Sohn Max den Familienbetrieb, der ihn wiederum an Kurt weitergab. Kurt Menzel und seine Frau Erna haben die Firma inzwischen an die Söhne Wolfgang und Eberhard übertragen, die die Geschicke der Firma gemeinsam lenken. Heute sucht man die rauchenden Meiler auf dem Grundstück vergeblich, dafür glänzen supermoderne Tankzüge in der Sonne.

Ein Meiler - was ist das?

Auf einem aus Ziegelsteinen gesetzten Kreis mit einem Durchmesser von ca. 8 Metern wird mittig ein Schacht aus kreuzweise verlegten Meter-Holzrollen aufgeschichtet. Um diesen Schacht herum werden gleichmäßig vier Kreuzstapel Holz errichtet, die der Stabilität dienen. Anschließend werden Meterstücke Holz Etagenweise schräg angesetzt. Das Ganze wird später mit Stroh abgedeckt und mit einer 40cm dicken, angefeuchteten Kohlegrusschicht versehen.

Verwendet wurden vorwiegend harte Laubhölzer (Eiche oder Buche) weil dadurch die Ausbeute an Holzkohle höher ist. Das gesamte "Bauwerk" nennt man dann einen Meiler. In den mittig angeordneten Schacht bringt der Köhler das Feuer ein - glühende Holzkohle und dünnes, leicht brennbares Feuerholz. So beginnt der Brenn- und Schwellprozess. Dabei wird dem Holz der Sauerstoff entzogen.

Das Feuer brennt ca. 10 Tage und wird während dieser Zeit kontrolliert und nachgefüllt, würde das nicht getan, fiele der Meiler in sich zusammen. Bis zu 400°C können im Inneren eines Meilers erreicht werden. Nach drei bis vier Tagen werden von außen Belüftungsöffnungen gesetzt und der Meiler raucht ab. Jetzt beginnt der Verkohlungsprozess. Die gesamte Prozedur dauert etwa drei Wochen. Das hängt davon ab, wie groß der Meiler gebaut wurde. Die Menzels haben ihre Meiler seit je her mit einem Durchmesser von acht Metern errichtet, andere haben auch zwölf Meter-Meiler gestapelt. Ist der Prozess beendet, füllt der Köhler von oben Wasser den Meiler und erstickt das Feuer. Der Kohlegrus wird abgeschaufelt und die fertige Holzkohle kann portioniert werden. Betrieben wurden meistens vier Meiler, von denen immer nur zwei "im Feuer" waren. Das Gros der Arbeiten macht das Errichten des Meilers und das Weiterverarbeiten der fertigen Holzkohle aus. In den Hochzeiten der Köhlerei brauchten Industrie und Handwerk noch viel Holzkohle: Klempner, Kupferschmiede, Böttgerein - sie alle benötigten Holzkohle, denn die Schweißtechnik war noch nicht entwickelt.

Vorwiegend belieferten die Menzels Den Großraum Dresden mit ihrer Holzkohle. Die kleine Firma betrieb ihre Köhlerei immer am gleichen Standort - auf dem Grundstück, das einst der Urgroßvater Ernst erworben hatte und wo man sie heute noch findet. Nur einmal gab es eine Ausnahme: Im Jahre 1926 kam es an der Neiße zu erheblichem Schädlingsbefall und das Holz wurde aus verständlichen Gründen günstig angeboten. Da schickte Großvater Max seinen Sohn Kurt mit einem Gehilfen in den Wald und beide Köhlerteen 2 Jahre direkt vor Ort, Köhlerhütten-Romantik inbegriffen. Das Holz bis nach Ottendorf-Okrilla zu schaffen, wäre zu teuer gewesen.

1928 begann Max mit dem Kohlehandel. Im Durch schnitt haben die Menzels 33 Meiler im Jahr gebrannt, das ergab ca. Sechs bis sieben Tonnen Holzkohle. Damals hatte man 10 Beschäftigte. Nach der Kollektivierung der privaten Bauernwirtschaften in den fünfziger Jahren in der DDR gab Kurt Menzel die Landwirtschaft auf. Köhlerei und Kohlehandel wurden parallel betrieben. Bis zum Jahre 1990 rauchten in Ottendorf-Okrilla die Meiler. Sechs Jahre zuvor hatte Kurt Menzels Sohn Eberhard die Geschicke der Firma in die Hand genommen. Eberhard Menzel ist gelernter Kfz-Mechaniker und hatte mit dem Fuhrpark des Vaters alle Hände voll zu tun. Später hat er dann den Meisterbrief erworben. Auch in den achtziger Jahren war die Holzkohle noch stark gefragt, nicht bloß für private Zwecke, wie man vermuten könnte.

Erst Holz, dann Kohle und jetzt Öl

Die Firma Menzel belieferte die Ferrolegierung Spremberg, die die zur Siliziumherstellung benötigte. Holzkohle wurde auch zum Härten , beispielsweise von Getriebeteilen eingesetzt. Teile die im Inneren relativ weich und geschmeidig sein müssen, außen jedoch hart und abriebfest sein sollen. Die glühenden Stahlteile wurden mit dem extrem kohlenstoffhaltigen Staub der Holzkohle in Verbindung gebracht und es entsteht so eine harte Legierung. Ferrolegierung Spremberg war der größte Holkohleverbraucher der DDR. Mitte der achtziger Jahre reduzierte sich das Köhlern auf zwei Meiler. Dafür bauten Wolfgang und Eberhard Menzel den Kohlehandel aus. Während zu Beginn 6000t Kohle verkauft wurden, war es nach 1984 schon die doppelte Menge. Mit der Wende kam das Aus für die Köhlerei Menzel. Eine fast 120jährige Tradition ging zu Ende. Die Köhlerei ist tot - die Firma lebt. Wolfgang und Eberhard haben sich nach der Wende sofort umorientiert und sind in den Mineralölhandel eingestiegen. Heute Vertreibt die Firma mit 5 Mitarbeitern ca. 8 Mio. t Heizöl, Diesel und Schmierstoffe, auch Kohle wird noch verkauft. Die Menzel-Brüder Wissen, wie wichtig der direkte Kontakt zum Kunden ist - der Wettbewerb wohnt gleich nebenan und Gasanschlüsse liegen quasi vor jeder Haustür - und nehmen sich deswegen auch mal Zeit für einen Schwatz mit den Kunden. Eberhard Menzel ist seit 1997 Vorsitzender des SBMV, Sächsischer Brennstoff- und Mineralölhändler Verband. Eberhard Menzel engagiert sich dort zum Beispiel für gemeinsame Werbe- und Marketingstrategien. Seit einigen Jahren arbeitet der Verband auch mit den Innungen der SHK-Branche zusammen. -Berührungspunkte gibt es beispielsweise bei der Errichtung von Tankanlagen, dem Zusatz von Additiven oder bei der Kundenansprache.

Das Mineralöl bestimmt den Alltag von Wolfgang und Eberhard. Die Köhler-Romantik lebt in der Familientradition aber weiter, sorgfältig aufbewahrte Fotos und Dokumente zeugen davon. Als die Firma ihr 125jähriges Jubiläum feierte, rauchte nach neun Jahren Abstinenz wieder ein Meiler auf dem Grundstück an der Königsbrücker Landstraße.

 


 

 

 
Menzel . Brennstoff- und Mineralölhandel seit 1894